Ich liebe die Landschaftsfotografie. Es ist eine Art Schärfung der Sinne. Du konzentrierst dich auf das Wesentliche. Durch die Ruhe und Einsamkeit ist man gezwungen die Dinge anders zu sehen. Reduzierter. Klarer.
Als Landschaftsfotograf liebe ich es früh morgens zu arbeiten. Keine Menschen und die Welt erwacht langsam. Ein unglaubliches Gefühl. Das weiche Licht was man zur Verfügung hat kann einen unübersichtlichen Hintergrund auf unterschiedlichen Tonalitäten reduzieren.

Landschaftsfotografie wirkt auf den ersten Blick einfach. Eine schöne Kulisse, ein eindrucksvoller Moment, ein Klick – und schon müsste das Bild funktionieren. In der Realität ist es jedoch erstaunlich schwierig, Landschaften so zu fotografieren, dass sie die Atmosphäre vermitteln, die man vor Ort erlebt hat. Viele Bilder wirken flach oder beliebig und transportieren nicht die Emotionen, die in einem selbst gerade präsent waren. Als Landschaftsfotograf, der ausschließlich mit alpiner Atmosphäre, Licht und Stimmung arbeitet, möchte ich hier einige grundlegende Erfahrungen teilen.
Denn wenn du draußen stehst, mitten in der Landschaft, bist du im Moment. Du spürst die Sonne im Gesicht, hörst die leisen Geräusche oder genießt die Stille. Vielleicht hast du einen langen Weg hinter dir, um genau an diesem Ort zu stehen. Vielleicht bist du einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Emotionen fließen, die Umgebung wirkt intensiver, die Stimmung trägt dich – und oft glaubt man, diese Intensität müsse automatisch im Foto landen.

Also schaust du durch die Kamera, drückst ab – und irgendwo im Hinterkopf schleicht sich der Gedanke ein: „Es wird schon passen.“
Doch warum passt es so oft eben nicht?
Warum wirken viele Landschaftsbilder nicht annähernd so, wie du sie empfunden hast? Warum schaffen es manche Landschaftsfotografen scheinbar mühelos – während andere mit unspektakulären Ergebnissen nach Hause kommen?
Aus langjähriger Erfahrung kann ich sagen: Gute Landschaftsfotografie basiert auf vier Säulen. Und alle vier sind gleich wichtig.



1. Vorbereitung
Ohne Vorbereitung bleibt das Ergebnis Zufall. Licht, Wetter, Zeitpunkt, Standort, Perspektive – all das entscheidet über dein Bild, noch bevor du die Kamera überhaupt in die Hand nimmst.
2. Das Motiv
Es geht nicht darum, was du fotografierst, sondern wie. Ein Motiv funktioniert nur dann, wenn du eine klare Vorstellung hast, warum es auf das Bild soll und welche Wirkung es erzeugen soll.
3. Kameraführung
Technik ist kein Selbstzweck, aber sie muss sitzen. Blende, ISO, Verschlusszeit, Brennweite, Fokus – jede Entscheidung beeinflusst Stimmung, Tiefe und Ausdruck. Technik schafft die Voraussetzungen, Emotion sichtbar zu machen.
4. Nachbereitung
Die Kamera sammelt Informationen, aber die finale Bildwirkung entsteht in der Nachbearbeitung. Farbe, Kontraste, Tonwerte und lokale Anpassungen entscheiden darüber, wie das Bild gelesen wird.
Diese Denkweise zieht sich durch meine gesamte Arbeit in der Landschaftsfotografie – ausführlich beschrieben im Leitartikel zur Landschaftsfotografie.
🔗 → Lichtstimmung in der Landschaftafotografie

Alle vier Säulen greifen ineinander wie ein präzises Zahnrad – sie bilden das Fundament guter Landschaftsfotografie. Wenn eine Komponente fehlt oder schwächelt, kippt das Ergebnis. Landschaftsfotografie entsteht nicht im Vorbeigehen und selten zufällig. Sie verlangt Zeit, Bewusstsein und die Bereitschaft, jeden Schritt ernst zu nehmen – von der Planung über die Technik bis hin zur finalen Bearbeitung.
Denn wir wollen nicht einfach nur eine Speicherkarte füllen. Wir wollen Bilder erschaffen, die emotional wirken, die Atmosphäre verdichten und die uns selbst – und andere – berühren. Bilder, auf die wir stolz sind.
Dieser Artikel bildet die Grundlage für die kommenden drei Beiträge, in denen ich die vier Säulen im Detail aufschlüssele: Technik, Outdoorpraxis, Bildaussage und Nachbearbeitung – und wie sie gemeinsam zu besseren Landschaftsfotos führen.


Teil 2 – Vorbereitung in der Landschaftsfotografie
Warum Planung, Licht, Zeitpunkt und Scouting entscheidender sind als Technik – und wie Vorbereitung fotografische Freiheit schafft.